Als ich über die Matte beim Anfang der Wechselzone ging war es 1:07. Ich hatte mich aber auch viel Zeit genommen. Entspannt und ruhig suchte ich mir mein Sackerl, fand es sehr schnell und wollte in das Zelt um mich umzuziehen. – Blöde Idee, denn das war heillos überfüllt. Also draußen aus dem Neo raus und in die Radschuhe rein. Helm auf, Nummer drauf und ab… zum WC. Eigentlich war mir das ja peinlich. Immerhin dauerte das Rennen gerade mal 1:15. Als ich die überfüllte WC Anlage sah, war ich beruhigt. Ich war also nicht der einzige. Ich stand dort locker 2 Minuten bzw. 1 Liter. Unfassbar. Dann aber los. Rad geholt und raus aus der Wechselzone.
Mit dem Rad gings dann eben mal locker die ersten 100 Meter an etlichen Zuschauern vorbei und auch meine mitgereisten „Fans“ standen da und jubelten. Für eine Sekunde hob ich die Hand (mehr geht bei Tempo 30 nicht) und dann gings auch schon weiter. Jetzt sollte also die Radstrecke beginnen. 180km lagen vor mir, 6 Berge x 2. Ich freute mich. Die Schwimmzeit hatte mich beflügelt und ich war echt gespannt wie das alles weitergehen würde. War das heute etwa „MEIN TAG“?
Die Strecke kannte ich ja nur von meinem Daum Ergometer, wo ich sie 1:1 nachgefahren bin per Höhenprofil. Aber live ist das halt anders. Auf jeden Fall fuhr ich permanent bergauf und bergab. Gerade da, ich schaltete gerade auf die größte Übersetzung vorne, passierte es: Die Kette sprang raus. „Gut, dass ich das Rad zum Service gegeben hatte“ dachte ich mir noch, klippste aus und hing die Kette wieder ein. „Wenn du schon stehst“ erinnerte mich meine Blase „könntest du doch gleich noch mal pinkeln gehen“. Tat ich auch. Zum zweiten Mal. Insgesamt wurden es 6 Mal. *g*
Ich hielt meinen Puls von maximal 150, war sogar eher bei der 140iger Grenze. Mir ging es wirklich gut. Die Steigungen verkraftete ich locker und beim Abfahren gab ich ein bisserl Gas. Leider begann nach 15 Minuten mein Kreuz arg zu schmerzen und so musste ich vom Triathlonlenker aufstehen und auf dem normalen Lenker greifen. Aufrechtere Position, mehr Widerstand, aber das war mir egal. Ich wollte mich für das Laufen ja nicht unbedingt ganz herrichten. Es lief also alles nach Plan. Einzig und alleine ein Sache machte mich stutzig: Alleine in der ersten Runde überholten mich mehr als 400 Fahrer !! Und das tat echt weh. Ich spreche nicht von ein paar Radprofis die an mir vorbeizogen. Das waren Horden von Bikern und ich meinerseits, überholte gerade mal 3 oder 4. Das gab mir zu denken und kratzte ein wenig am Selbstbewusstsein.
Das Highlight war sicherlich der „Pass vom Rupertiberg“. Coole Steigung, die Straßen vollgeschmiert wie bei der tour de France, tolle Stimmung. Da hatte ich auch noch Spaß wie man auf den Fotos sieht.

Tat natürlich in den Beinen weh, aber schlussendlich wars dann auch nicht mehr soo schlimm. Super war, dass Fladi und Petz dort warteten und mich lautstark antrieben. Das half noch mal und brachte extra Power.
Vom Pass zum Abschluss der Runde fehlten noch 25km, die ich locker runterspulte. Bei der Wende sah ich auf die Uhr und die zeigte mir eine Zeit von 2:51h an. Ich war begeistert. Zwar konnte ich mir immer noch nicht erklären, wie mich diese 400 Menschen einfach so locker überholen hatten können, aber bei der Zeit war mir das egal. Ich hatte wieder 8 Minuten vom Plan (6h für die Radstrecke) aufgeholt und beschloss mir jetzt für Runde zwei wirklich mehr Zeit zu lassen und ruhiger zu treten. Die 8 Minuten wollte ich investieren und dazu noch mal die selbe Zeit langsamer fahren. Damit sollte die 6h Marke gesichert sein. So würde ich bei etwa 7:10 wechseln und dann noch mehr als 3:50 für den Marathon Zeit haben. Das wäre zu schaffen, dachte ich mir und die 11h Marke geknackt. Ich weinte fast vor Glück weil ich so stolz war. Das ging alles so locker, so leicht, einfach super. Das war „MEIN TAG“ – ich war ganz sicher.
Aber es wurde härter. Bei 100km ging ich wieder pinkeln. Die Beine wurden schwerer. Der Puls aber stabil. Die Geschwindigkeit nahm ab. Die Leute überholten mich munter weiter. Bei km 130 dann das Stück, das mir schon in der ersten Runde den Nerv raubte, weil es ein wenig bergauf und „gegen den Wind“ ging. Das kostete wichtige Energie. Apropos. Natürlich futterte ich wie ein Hamster. Alle 40 Minuten schob ich mir einen Powerbar rein oder was Vergleichbares, aber nach 4h hing mir das schon beim Hals raus. Ich stieg auf die Gels um. Die gingen leichter runter.
Der Rupertibergpass war hart, aber Fladi und Stefan B. peitschten mich hinauf und irgendwie schaffte ich das auch – war allerdings auch sehr geschafft. Die letzten 25km waren dann eher Graus als lustig. Noch mal kurz pinkeln, aber die Beine wurden immer schwerer, obwohl ich wirklich versuchte mit mehr als 100 Umdrehungen zu fahren um lockerer zu werden. Ging aber nicht. Mit 3:12 für die zweite Runde hatte ich fast 20 Minuten mehr gebraucht als bei Runde 1. Wenigstens hatte ich den Puls auf Schnitt 146 gehalten und mit der Gesamtzeit von 6:05 konnte ich wirklich leben. Das war noch immer phantastisch.
Die Einfahrt in die Wechselzone kam mir wie ein Slalom Parkcour vor, war aber auch bald dahin. Cool war, dass mir das Rad wirklich abgenommen wurde und ich so schnurstracks zu meinem Laufsackerl watscheln konnte. Laufen war nicht drinnen. Ich war fertig. Erst jetzt, nachdem der Fahrtwind fehlte, merkte ich wie heiß es war. Es hatte 30 Grad und die Sonne knallte voll runter. Also ging ich zu meinem Sackerl, holte die Schuhe und das andere Zeug. Dieses Mal war noch Platz im Zelt. Ich setzte mich hin und atmete ein paar Mal tief durch. Ein Helfer bot mir an mich am Hals und Rücken mit Sonnencreme einzuschmieren und ich ließ ihn walten. Als er mir das Salz vom Schweiß in meine noch offene Wunde vom Neopren Anzug drückte, schrie ich laut auf und machte einen Satz davon. Er war ein wenig verwundert, denk ich, ließ mich aber in Ruhe. – Schade war, dass es im Zelt nichts zu trinken gab bzw. ich nichts fand. Das hätte mir sehr geholfen. Also schnürte ich die Schuhe an und lief los.
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