LCC Marathon – I did it

Geschafft und g e s c h a f f t ; – )

Das war er also: mein letzter Marathon in diesem Jahr und ich kann nur sagen, dass es eines meiner schönsten Rennen war.

Mit der Zielzeit von 3:16:43 bin ich natürlich hoch zufrieden, denn eigentlich habe ich wieder einmal nichts falsch gemacht – bis auf ein paar kleine Dinge *g*. Dass ich in meiner Altersklasse auch noch Platz 19 eroberte und insgesamt 64 von etwa 200 LäuferInnen wurde, bestärkt mein gutes Gefühl das ich von Anfang an hatte.

Besonders freut mich aber, dass den Marathon nicht einfach nur runtergelaufen bin (wie Wien im Mai dieses Jahres) , sondern auch wieder mal riskiert habe. Dadurch war es bis zum Schluss spannend, was sich ausgehen würde . Ich habe nie aufgegeben und immer noch ein wenig mehr versucht als mir die Uhr glauben machen wollte. Das ging um ein Haar ins Auge, aber eben nur um ein Haar.

Die Renntaktik

Die Renntaktik war von Papa Greif ja klar vorgegeben. Mit dem Marathon-Taktik-Rechner berechnete ich folgende Renntaktik:

Endzeit-Plan 3:15:00 Total km Ø 4:37 / km

  • Ø 1-15 km 4:41 km
  • Ø 16-25 km 4:32 km
  • Ø 26-42 km 4:37 km

Also die ersten 15 km etwas langsamer, dann die nächsten 9km recht schnell und dann den Rest in der genormten Pace Zeit.Ganz überzeugt hatte mich die Taktik nicht, bin ich doch normal immer die 5% Regel gelaufen (1.Drittel 5% über Schnitt, 2.Drittel im Schnitt, 3.Drittel 5% unter Schnitt). Aber der Herr Greif kennt sich halt aus und spricht auf seiner Homepage von statistischen Auswertungen die diese Einteilung belegen. Und wer stellt schon Statistiken in Frage?

Die Vorbereitung

Tags zuvor bekam ich ein wenig Panik. Nicht wegen dem Laufen sondern wegen dem Essen – wie immer eigentlich. Die Frage die sich mir seit Jahren stellt: Was muss ich essen, damit ich Renntag nicht zwischenzeitlich auf die Toilette muss? Ich beschloss also nichts zu essen, um auf Nummer sicher zu gehen. Bei der Startnummernabholung am Samstag um 3 ließ ich mich aber zu einem Hotdog vorm Stadion hinreißen, damit war die Taktik dahin. Es folgten lange Telefonate mit Personen die sich auskennen puncto Ernährung. Ergebnis: Ich aß insgesamt besagtes HotDog, eine Wurstsemmel, einen Topf Nudeln und einen halben Kilo Karfiol. Die Hoffnung dies alles am nächsten Morgen verdaut zu haben, bestätigte sich an besagten Morgen – Glück gehabt.

Das Rennen – der lockere Teil

Als ich mich Einlaufen ging, mit meinem schicken Adidas Dress, meiner Polar Uhr, Laufchip, Pacechip und weiß Gott was noch – da fühlt ich mich schon sehr gut. Okay, es war ein wenig kalt, aber das schon gut so. Ich wärmte mich bis ca. 4 Minuten vor dem Start auf, war locker und hatte schon mal Puls 160 bevors überhaupt losging – naja – okay ich war nervös. Vorher traf ich noch Martin Harnisch von der Bisamberger Dorfjugend, der den Marathon in 2:49:11 lief, als Gesamtachter ankam und seine Altersklasse natürlich gewonnen hat (hier geht’s zu seinem Weblog) Gratulation Martin – vielleicht kann ich dich mal als 3:00h Pacer anheuern.

Dann gings also los. Ich war relativ weit vorne und wurde gleich mal von vielen überholt. War mir egal. 4:41 war das Ziel für die ersten 15km – da konnte kommen was wolle. Den ersten Kilometer vergaß ich gleich mal auf den roten Knopf meiner Uhr zudrücken, aber laut meinen Geschwindigkeitssensor am Schuh lief ich immer so zwischen 4:38 und 4:45. Meine Beine fühlten sich super an, ich bekam toll Luft und ich dachte mir, dass ich das Rennen so locker durchlaufen würde. Der Puls saß bei 160 fest – und das die ersten 15 Kilometer. Zufrieden war ich dennoch nicht ganz:

  • Der Geschwindigkeitssensor zeigte immer irgendwas an und sprang herum, dass man sich nicht drauf verlassen konnte. Zwar kam am Schluss immer das halbwegs „richtige“ raus, aber dennoch hat mich das ziemlich frustriert.

  • Die Greiftaktik hat nicht wirklich gegriffen, denn mein Laufgefühl stimmte nicht wirklich an diesem Tag. So habe ich nur 1x wirklich exakt die 4:41 getroffen, war sonst immer schneller – vielleicht ein Fehler.

  • 4 (in Worten VIER) Pinkelpausen
    Echt peinlich aber egal was ich in mich reinschüttete, es kam 20 Minuten später wieder raus. Das war teilweise echt schon peinlich. Einen Läufer, mit dem ich die erste Runde gemeinsam lief, überholte ich so eben 4 MAL. Verwunderte Blicke inklusive.

Das Rennen – der schnelle Teil

Als dann nach 15 km endlich der langsame Part vorbei war, freute ich mich schon auf die 4:32 pro km. Mir gings ja auch super. Leider realisierte ich immer mehr, dass die blöde Uhr sich anscheinend verstellt haben musste, denn 4:30 Pace auf der Uhr bedeuteten 4:36 in real. Sehr ärgerlich. Trotzdem gab ich Gas. Der Puls ging Richtung 167 und ich war zufrieden. Die Rundenzeiten waren immer so um die 4:32. Also okay. Ich beschloss nach den 9km noch 4 weiter anzuhängen, also bis Km28 so weiterzulaufen. Tat ich auch.

Nach 28km stand die Uhr bei 2:10h, und das große Rechnen in meinem Kopf begann.

  • Variante 1 – 14x 4:30
    => 63 Minuten – Endzeit: < 3:13 => neuer persönlicher Rekord
    Wahrscheinlichkeit das durchzulaufen: gering

  • Variante 2 – 4x 4:45 + 10x 4:30
    => Zielzeit: 3:14 – und damit unter meinem Ziel
    Wahrscheinlichkeit das durchzulaufen: möglich, aber heikel

  • Variante 3 – 14 x 4:45
    => Zielzeit: 3:17
    Wahrscheinlichkeit das durchzulaufen: kein Problem

Ich entschied mich es zu riskieren,aber nicht ALLES – daher Variante 2. Die nächsten 4km von 28 – 32 wollte ich bei 4:45 ein wenig verschnaufen und dann einen 10km Lauf in 45 Minuten hinlegen.

Die 4km lief ich also locker und der Puls ging wieder Richtung 165. DIE Erholung stellt sich aber auch nicht ein. Im Gegenteil – das langsame Laufen nervte ewig.

Das Rennen – der anstrengende Teil

Und dann war er da, der KM 32 und ich wusste: Jetzt geht’s los. Also Gas gegeben. Kraft hatte ich noch. Luft noch ewig. Motiviert war ich auch. Das sollte klappen – dachte ich mir.

Und ich war nur am Überholen. Einerseits die gaaanz langsamen Läufer, die noch auf der vorletzten Runde waren. Aber auch Personen die mit mir die letzte Runde liefen. Die nächsten 4km waren echt super. Zeiten um die 4:30 waren das Resultat. Doch auf der letzten Runde hat es mich dann erwischt – und das Leiden begann.

Plötzlich machte das alles keinen Spaß mehr. Plötzlich bekam ich Schmerzen in der Hüfte (Hallo, das hatte ich noch nie gehabt). Plötzlich drückten die Schuhe und plötzlich waren die Oberschenkel blau. Und das alles 6km vor dem Ziel. Echt blöd. Und Schuld war eigentlich nur die Uhr, die mir hartnäckig einen Pace von 4:30 anzeigte – wenn ich dann aber den roten Knopf für die Zwischenzeit drückte – stand da immer was von 4:40 und mehr. Blöde Uhr *g*

Und nun begann ich zu leiden, wollte nicht mehr laufen, nur noch nach Hause telefonieren und am besten gleich aufhören. Die 3:14 rückten weiter weg – nach weiteren 2km waren auch die 3:15 unrealistisch, denn einen Zielsprint würde ich nicht mehr schaffen. Wer das schon mal erlebt hat, der kennt die Stimme mitten im Hirn, die einem bei jedem Schritt sagt:

Komm bleib kurz stehen. Nur zum Verschnaufen. 10 Meter.
Dann laufen wir weiter!Ganz sicher! Versprochen“

Ganz ehrlich – für die Zeit wäre es egal gewesen. Aber für das Gefühl danach nicht. Das Gefühl wenn du durchs Ziel läufst und weißt, dass du nicht nachgegeben hast. Und an diesem Tag gab ich nicht nach und bin auch noch die letzten 4 km durchgelaufen – ohne Pause – ohne Zwischengehen.

Das Rennen – Im Ziel

Als ich nach den 3 Stunden und 16 Minuten durchs Ziel gelaufen bin, war ich ziemlich fertig. Ich denke, kein einziges ATP befand sich zu diesem Zeitpunkt mehr in meinem Körper – alles bis auf den letzten Rest verbrannt. Ich hatte alles gegeben. Ein wenig gegambelt – aber war schlau genug nicht alles zu riskieren. Das Ergebnis ist eine super Zeit für eine 9 Wochen kurze Vorbereitung, die ich aber auch gut konsequent wie schon lange nicht gemacht habe.

Nach 42,2 km und 3:16:43 war ich angekommen – und schön wars.

ANHANG und STATISTIKEN

Km 1 – 21

01:37:49

Km 22 – 42

01:38:54

Runde Pace Zeit Rundenzeit

7000m – Runde 1   04:43:00 | 00:33:03,30

14000m – Runde 2 04:42:00 | 00:32:44,00

21000m – Runde 3 04:40:00 | 00:32:02,30

28000m – Runde 4 04:39:00 | 00:32:10,50

35000m – Runde 5 04:39:00 | 00:32:37,60

42195m – Runde 6 04:40:00 | 00:34:06,10

5 Antworten

  1. Hallo Peter, alles Gute zu deiner tollen Leistung. Das mit den Pinkelpasuen gewöhnst du dir ab, wenn du das erste mal eine Bestzeit um ein paar Sekunden verpasst ;-)
    Vielleicht hast du ja eventuell mal Zeit für ein gemütliches Joggerl auf der Seeschlacht. LG, Martin

  2. GRATULATION!!!!
    Zumindest in der ersten Runde konnten wir dich anfeuern.
    Freut mich dass du wieder fit bist!
    CU in St. Pölten @ 70.3 :-) )))

  3. nunja. zuerst quälen und dann freuen. fast schon katholisch. ich machs eher umgekehrt. zerst feiern und danach mit den folgen herumquälen :) ) aber spannend, was so in dir abgeht.
    jedenfalls gratulation für deine leistung.
    falls du mal wieder fit für ein bierchen bist – trainiere dann gern mit dir.

  4. hallo peter gratuliere zur tollen leistung echt interesannt über deine bisherigen sportlichen erlebniße zu lesen….. meine größten herausforderungen waren mir halbmarathon und duathlon ja eher bescheiden (aber für meine knie ausreichend ;-) )… nächstes jahr werde ich einen kurztriathlon in angriff nehmen .. vieleicht sieht man sich ja mal wieder bei einem wettkampf

    gruß

    Steve

  5. hi peter,
    super zeit! im moment bereitet sich meine schwester auf den wien-marathon vor. ich bereite mich auf nix vor – bin immer froh, wenn ich die nächste woche schaffe. die zeit find ich toll! kann mir so eine zeit im moment gar nicht vorstellen – wie gesagt, bin vor jahren mal den halbmarathon in einer annehmenbaren zeit so um die – ich weiss nicht mehr ganz genau – aber ich glaub so um die 1.37 gelaufen – aber dann nochmal das ganze – no chance.
    lg
    renate rosenegger

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