In der Wechselzone ließ ich mir ein wenig Zeit, cremte mich mit Sonnencreme ein und war eigentlich froh von dem verdammten Rad endlich runter zu sein. Ich fühlte mich super und freute mich auf das Laufen. Die Anfeuerung von Erwin und Nadja waren toll und dann sah ich auch noch die anderen Freunde vom Tennisplatz (Ursi, Babsi,… danke euch allen).
Ich lief die ersten beiden Kilometer in einem PACE von 5:15 und war beeindruckt. Der Puls war knapp bei 160 Schlägen. Das war okay. Die Sonne kam raus und bald knallte es brennheiß runter und mir wurde etwas warm ums Herz. Es lief einfach super. Klar, es war anstrengend, aber es ging. Die nächsten 5km konnte ich die Geschwindigkeit halt und war einfach begeistert. Mit diesem Tempo würde ich locker unter 12 Stunden bleiben – vielleicht sogar bei 11:45 ankommen. Ein Traumziel. Ich begann zu träumen und ignorierte, dass mein Körper ganz andere Signale sendete.
Von KM 8 – 10 stieg mein Puls plötzlich und ich musste mit der Geschwindigkeit runter. Zuerst auf 6:00 min dann sogar auf 7:00 min pro Kilometer. Und plötzlich entpuppte sich der „Traum“ zu einem „Alptraum“. War ich zu Beginn des Ironmans noch mit einer 12:30iger Zeit zufrieden gewesen, so war nun nach meiner Traumphase schon die 12h nicht zu schaffen, eine Niederlage. Vergessen waren die Schmerzen im September mit den Bandscheiben, dass ich froh sein sollte usw… Ich war einfach sauer, dass es sich nicht ausgehen würde. Und dann war sie weg: Die Motivation.
Ich rechnete die Zeiten hoch und mittlerweile war ich schon bei 12:15. Ich begann immer öfter kleine Stücke zu gehen, dann größere, dann ganze Kilometer. Es war mir egal. Der Puls war bei bei 120, aber das war längst nicht mein Problem. Ich „wollte“ einfach nicht mehr. Es machte mir auch immer weniger Spaß. Ich wusste, dass ich das Ding locker durchstehen würde – das war kein Thema. Aber die Motivation zu laufen war dahin.
Bei KM 13 lief Stefan auf mich auf. Er war überrascht und hatte nicht mit mir gerechnet. Sein Knie hielt vorerst noch, das war nach kurzem Gespräch klar. Dann lief er weiter- ich ging. Bei KM 22 lief Ursi ein Stück mit mir mit um mich zu motivieren – das war sehr schön, aber auch umsonst. Nachdem sie weg war ging ich wieder. KM Zeiten um die 9min waren die Folge. Bei KM 28 traf mich dann Petra und wir liefen Schulter an Schulter 2-3 Kilometer gemeinsam. Petz hatte ich schon beim Radfahren getroffen. Es war ihr erster Ironman und sie hatte wirklich gekämpft und sich alles verdient. Sie ließ ich mich ein wenig mitziehen, ging dann aber wieder alleine.
Bei KM 30 entschloss ich mich – nachdem ich kurz davor ausgerechnet hatte, dass ich jetzt wohl auch langsamer als bei meinem ersten Antreten sein würde – wieder etwas mehr zu laufen. Dabei blieb ich auch. Der Puls und der Kreislauf waren ja ganz gut beinander. Ich ärgerte mich einfach. Ich ärgerte mich, dass ich mir wieder falsche Hoffnungen gemacht hatte und mich somit selber „abgeschossen“ hatte. Wäre ich von Anfang an mit einem 6er Schnitt gelaufen…
Die letzten KM lief ich also wieder und konnte den Ironman wieder genießen. Die letzten 2 Kilometer waren dann wieder dem Dank an mich und meinem Körper gewidmet. Was hatten wir beide durchgestanden. Die Prognose Sept. 2009 nie mehr laufen zu können. Die Bandscheiben. Die Verkühlung. Das Training. Es hatte alles funktioniert und gehalten. Das war sehr bewegend und ich war fast zu Tränen gerührt.
Der Zieleinlauf war dann wieder sensationell. Nach 12:38 Stunden war ich zum zweiten Mal ein Ironman. Mission erfüllt.
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