Ironman 2011 – 42,2 KM Marathon mit dem vollen Potential

Als ich nach 5:55 vom Rad runter stieg, fühlte sich das eher bescheiden an. Nicht die Beine, sondern das Kreuz machte sich bemerkbar und ich denke die ersten Meter müssen lustig ausgesehen haben. Das wurde aber bald besser und spätestens nach dem Schuhe binden und kurzen Dehnungsphasen war alles wieder gut. Ich warf meinen Laufsack in die Box und lief los. Am Ende der Wechselzone erwartete mich schon Magdalena, mit der ich ein kurzes Interview führte und immer wieder sagte, wie toll das Radfahren war. Der Puls war da bei 170, beruhigte sich aber bald und pendelte sich bei 158 ein. Ich fühlte mich phantastisch und lief ein wenig langsamer um mit dem Puls weiter runter zu kommen.

Die ersten Kilometer

Die erste Kilometermarkierung übersah ich irgendwie. Bei der zweiten wurden mir dann 17 Minuten angezeigt und ich damit daran erinnert, dass ich beim Verlassen der Wechselzone nicht gedrückt hatte. Nachdem ich keine Ahnung hatte, wie schnell ich gewechselt hatte wusste ich damit auch nicht wie schnell ich war. Also wartete ich auf den nächsten Kilometer. „Schnell“ kam ich mir nicht vor, aber das ist immer so nach dem Radfahren. Die nächste Kilometertafel konnte ich auch nicht finden und so war meine erste „gültige“ Kilometerzeit bei KM 4. Als ich da auf die Uhr schaute stand dort „00:10:16“ => also eine 5.08er Zeit am Kilometer. Ich schliff mich sofort ein. Langsamer laufen und Puls runter stand am Program. Die nächsten beiden Kilometer war ich aber weiterhin bei 5:05 und bei KM 6 sogar bei 4:48. Ich schimpfte wieder einmal über die KM Beschriftung der Veranstalter, die leider – wie ganz wenige Dinge – an der Laufstrecke wirklich nicht passt. Ich ließ das Nachdenken über Zeiten etc. bis KM 10 bleiben und wollte dort dann hochrechnen wie schnell ich wirklich war. Bei KM10 angekommen waren 49:30 Minuten vergangen und damit stand fest:“Ich bin nicht nur schnell – ich bin sauschnell!“

SUB 11?

Mir ging es noch immer blendend. Einzig die Nahrungsaufnahme mit Trinken und Essen machte mir zu schaffen. Der Magen akzeptiere beides eher nur in kleinen Mengen. War aber nicht weiter schlimm. Was viiiiiel schlimmer war, war aber der Umstand, dass ich bei KM 12, nach genau 60 Minuten ankommen war. Schlimm deswegen, weil mein Kopfkino nun auf Hochtouren lief. Ich hatte 30 Minuten beim Radfahren auf die 12 Stunden Zeit gut gemacht. Ich würde, wenn das so weiter lief, den Marathon in 3:30h laufen – 30 Minuten unter meiner geplanten 4 Stunden Marathonzeit. So überlegte ich, zählte 30+30 zusammen und realisierte (nachdem das etwa wieder 5 Minuten gedauert hatte) bei KM 13 zum ersten Mal, dass ich eigentlich am besten Wege zu einer SUB11 Stunden Zeit war. ;-)

Es wird doch etwas härter

Alleine durch diese Überlegungen, ging der Puls schon rauf. Trotz langsameren Laufen ging er auch nicht weiter runter als 160, was bei einem Marathon prinzipiell für mich kein Problem ist. Nach fast 10h Ironman war es meiner Empfindung nach zu hoch. Bis KM 18 war die 3:30 Marathonzeit noch immer kein Problem. Bei KM 21 war ich dann schon eine Minute „darüber“, dachte mir aber, dass ich das mit einem „Zielsprint“ schon irgendwie einholen würde. Mein Puls und mein Magen machten mir aber deutlich klar, dass sie sich dieses Tempo lange nicht mehr gefallen lassen würden. Vor allem der Magen war „not amused“. Bei KM24 –  mittlerweile 4 Minuten über der 3:30iger Zeit – war mir klar, dass ich mir die SUB 11 Marke noch aufheben würde. Ich war mit 12h Traumzielzeit gestartet und war jetzt drauf und dran 11h und ein paar Minuten zu schaffen. Damit wollte ich es belassen. Den Marathon jetzt noch in einer guten Zeit zu finishen war sowieso noch immer eine gute Herausforderung.  Also war klar, dass ich nun a) die Geschwindigkeit reduzieren musste aber b) nicht in die „Wurschtigkeit“ von 2010 driften wollte. Ziel war noch immer den Marathon unter 4:00h zu schaffen.

Nicht nur Spaß aber nie ernst

Naja, das Ziel rückte von KM 25 bis KM 35 ein wenig ab. Mittlerweile hatte ich das gefühlte Lungenvolumen von 50% , mein Körper schrie am liebsten nach 5l Wasser während meinem Magen 5CL schon zu viel vorkamen. Ich musste also „zwangsweise reduzieren“. KM 30 und KM 31 wurde ich mal wieder mit einer Kilometer Zeit von über 7 Minuten konfrontiert. Es blieben die einzigen beiden Kilometer in der Zeit. Zumindest der Puls ging runter auf 150 und dann sogar darunter. Ich realisierte, dass es jetzt eben ein wenig härter wurde und….überwand die Phase, raffte mich auf und lief in einem 6er Schnitt die Sache weiter. Jeder Kilometer war ein Gewinn. Bei KM 33 kamen meine Fans wieder und pushten mich noch einmal für die letzten Kilometer Richtung Stadt. Das ließ ich auf mich wirken, umrundete den Lindwurm und lief danach wieder schneller auf den letzten 5 Kilometern.

Die letzten Kilometer – es ist wahr!

Der letzte Kilometer ins Ziel wie immer unbeschreiblich. Ich bedanke mich wieder bei meinem Körper, den Knien, den Armen und vor allem den Bandscheiben für die Unterstützung. Ich ließ das Jahr Revue passieren und war stolz trotz aller Zeitumstände anscheinend doch richtig trainiert zu haben bzw. nicht alles falsch. Ich hatte in diesem Jahr einen ganz neuen Zugang zu Sport und Bewegung gefunden, der von Yoga bis Tennis etwas mehr Vielseitigkeit in mein Sportleben brachte. Ich hatte versucht ein Stückchen Verbissenheit wegzulassen und gegen Spaß und Freude zu tauschen. Und all diese Gedanken gingen mir durch den Kopf als ich in die Zielgerade einbog. Noch einmal das Anfeuern der Fans hören, bei Stefan und Barbara abgeklatscht und nach insgesamt 11 Stunden und 23 Minuten durch das Ironman Tor gegangen. Was für eine Zeit, was für ein Tag!

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